Hoeren und Lesen Blog

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6. April 2008

Die Lit.Cologne schlägt alle Rekorde

Abgelegt unter: Redaktionelle Beiträge — Birgit Haan @ 11:57

Über 65.000 Besucher verzeichneten die Veranstalter der achten Lit.Cologne, welche dieses Jahr vom 29. Februar bis zum 8. März 2008 statt fand; davon nahmen alleine 13.000 am Angebot des Kinderprogramms teil.

Die Namen der Autoren, Sprecher, Conférencier und Gäste lesen sich wie ein Who is Who der nationalen und internationalen Literaturszene: beispielsweise Ken Follett, Yasmina Khadra, Sven Regener, Sergej Lukianenko, Monika Bleibtreu, Anna Thalbach, Ulrich Matthes, Roger Willemsen, Charlotte Roche und viele, viele mehr.

Allein schon dies grenzt die Lit.Cologne von ähnlichen Veranstaltungen ab. Einen Teil des Reizes der Kölner Kulturveranstaltung macht jedoch auch das politische Engagement und die kritische Betrachtung von Literatur aus. Neben Themenabenden wie “Der WDR 3-Franz-Kafka-Tag” gab es auch ironische Betrachtungen wie “23″, welche sich mit Verschwörungstheorien beschäftigte. Politische Statements - Ishmael Beah “Rückkehr ins Leben - Ich war war Kindersoldat” – fehlten ebenso wenig wie Veranstaltungen zur Förderung junger Autoren.

Auch bei den Veranstaltungsorten ging man teils ungewöhnliche Wege und wählte originelle Plätze, um die so mancher ansonsten lieber einen großen Bogen macht: Dazu zählten unter anderem das Polizeipräsidium, Altes Pfandhaus und die (Kultur)Kirche.

Traditionell nicht fehlen durfte die große Lit. COLOGNE Gala am 08.03.2008 in der Philharmonie. Diese stand 2008 unter dem Motto “Das große Gelächter”. “Spaß muss sein? Nein, muss er nicht, sonst amüsieren wir uns zu Tode. Aber es ist ein Glück, wenn sich trotzdem ein großes Gelächter über den Abend legt, eines mit vielen Schattierungen und Tönen. Denn dann merkt man: Es gibt eine fernsehabgewandte Seite des Komischen, und getragen wird sie von den Verschrobenen, Bizarren und Grotesken der literarischen Welt, von Dichtern und szenisch Arbeitenden, von Prosaikern und auch von Komödianten, solchen, deren Atem länger ist oder deren Töne eigentlich leiser sind, als es ihnen ihre medialen Auftritte manchmal gestatten. Und so begegnen sich zum großen Gelächter ein paar der komischsten Menschen des Landes und treten gemeinsam den Nachweis an, dass es fast nichts gibt, das nicht humorfähig wäre. Es singen, deklamieren, rezitieren, schreien, spielen, albern, frohlocken und jauchzen: Monica Bleibtreu, Helge Schneider, Cordula Stratmann, Kirsten Fuchs, Thomas Gsella u. a. unter der Leitung von Roger Willemsen.”

Am 09. März klang dann die großartige Kulturveranstaltung mit der Gala zur Verleihung des “Deutscher Hörbuchpreis 2008″ aus.

Fabelhaft

Abgelegt unter: Lesungen — Birgit Haan @ 10:48

Mitten in der Fastenzeit fand in der Kölner Kulturkirche ein gehaltvolles Schauspiel statt. Im Rahmen der Lit. Cologne 2008 las dort John Boyne bei seinem ersten Deutschlandauftritt aus seinem Buch “Der Junge im gestreiften Pyjama”. Als deutschen Sprecher der zweisprachigen Veranstaltung konnte man Ulrich Matthes gewinnen, welcher auch das im Argon Verlag erschienene Hoerbuch besprochen hat. Doch die 90-minütige Veranstaltung, welche von Margarete von Schwarzkopf vor ausverkauftem Haus moderiert wurde, hatte weit mehr zu bieten als “nur” eine Lesung.

Zu Beginn wirkte John Boyne noch etwas unsicher, was sich vermutlich mit einem seiner ersten Auftritte vor einem für ihn fremdsprachigen Publikum erklären lässt. Denn schon nach kurzem gewann er seine Souveränität zurück und entschuldigte sich witzelnd: “(Die Lesung findet in Deutsch und Englisch statt) because my german is not there.” Das John Boyne nur Englisch sprach, tat dem Erfolg des Abends keinen Abbruch. Dies ist insbesondere der hervorragenden Gesprächsführung von Frau von Schwarzkopf und ihren kurzen, aber äußerst prägnanten Übersetzungen zu danken.

Die Idee zu “Der Junge im gestreiften Pyjama” kam John Boyne während eines Spaziergangs: “Zwei Jungen sitzen sich, getrennt von einem Zaun, in exakt der gleichen Position gegenüber und unterhalten sich.” Diese Szene findet sich auch im Buch wieder und ist auch Bestandteil der Lesung. Doch bevor diese beginnt, erläutert der Autor das für ihn Außergewöhnliche an diesem Roman: zum einen wurde er von ihm innerhalb von wenigen Wochen geschrieben und zum anderen handelt es sich nicht um ein stehendes Werk, sondern vielmehr um eine universelle Fabel, in denen der Ort “Auswisch” und die Person “Der Furor” nicht absolut sind.

Unerwartetes auch von Ulrich Matthes, im positiven Sinne. Während der Lesung ganz Routinier, geriet der zweimalige “Schauspieler des Jahres” fast ins Schwärmen, als er von Margarete von Schwarzkopf gefragt wurde, wie er sich auf die Aufnahme eines Hoerbuches vorbereitet: “Ich zieh mich mit dem Buch wirklich erstmal zurück … Das erste Mal laut lese ich (es dann) im Studio. Also das unterscheidet auch die Theaterarbeit ganz wesentlich von der Hörbucharbeit. … Ich lese das nur im Kopf. Nie laut, nie! … bis ich das erste Mal vors Mikro gehe. Und dann sitze ich da in so einem kleinen Kämmerlein und hab nur das Mikro und den Text. Und das ist in dieser totalen Konzentration auf mich selber und dieses Buch wunderbar und mit nichts anderem vergleichbar. ”

Diese Hingabe merkt man allen von Ulrich Matthes gesprochenen Hoerbuechern auch an. Für die Lesung Nabokovs “Pnin” gewann er 2003 den “Deutschen Hörbuchpreis”. Und seine Lesung von “Der Junge im gestreiften Pyjama” wurde 2008 wiederum für diesen Preis nominiert.

Der gelungene und kurzweilige Abend endete mit einer “Signierstunde”. Überraschenderweise waren zunächst die Publikumsschlangen an den Verkaufsständen länger als jene in Richtung Autor/Sprecher. Doch dieser Eindruck klärte sich schnell auf; sah man doch in den Händen der Käufer überwiegend die Originalausgabe oder das Hoerbuch, welches signiert werden sollte.

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