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30. Dezember 2008

Internationale Pressestimmen zur Lage in Nahost

Abgelegt unter: Redaktionelle Beiträge — Wolfgang Haan @ 12:37

Hamburg (dpa) - Internationale Pressestimmen zur Eskalation der Gewalt im Nahen Osten.

Die konservative spanische Zeitung «ABC» (Madrid) schreibt am Dienstag:

«Die Terroristen von Hamas hatten nie einen Zweifel an ihrer Entschlossenheit gelassen, Israel anzugreifen. Die Weltgemeinschaft mit den UN an der Spitze war unfähig gewesen, eine Lösung durchzusetzen. Die arabischen Staaten müssen sich vorhalten lassen, dass sie das Krebsgeschwür der Hamas nicht beseitigt haben. Die Organisation wird völlig zurecht als terroristisch eingestuft. Sie bedroht nicht nur Israel, sondern auch die arabischen Staaten der Region. Das Argument, die auf Israel abgeschossenen Raketen hätten keine festen Ziele gehabt, zählt nicht. So kann man nur argumentieren, wenn man darauf warten will, dass der Iran die Terroristen mit einer besseren Technologie ausrüstet.»

Die französische Tageszeitung «Le Monde» kommentiert:

«Wenn das Ziel tatsächlich darin besteht - wie die Verantwortlichen in Israel immer wieder betonen - dass Hamas niedergeschlagen werden soll, dann wird die israelische Entschlossenheit sich an einer schmerzhaften Realität stoßen. Hamas ist um so mächtiger, je mehr ihre radikalen Ansichten sich durch Fakten zu bestätigen scheinen. Die Diplomatie funktioniert nicht mehr, und die palästinensische Autorität erscheint als Anhängsel, wenn nicht gar als Hilfsknecht eines Staates, der weiterhin einen großen Teil des Westjordanlands besetzt. Die Morde an den historischen Gründern und hunderten Militanten seit Beginn der zweiten Intifada haben die Hamas auch nicht daran gehindert, 2007 in Gaza die Kontrolle zu übernehmen.»

Die «Salzburger Nachrichten» befürchten ein Chaos im Gazastreifen, falls Israels Armee die radikale Hamas-Organisation völlig zerstören sollte:

«Die Islamisten mögen Israel hassen, aber sie haben den Landstrich im Griff und sind ein Ansprechpartner. Sollten sie gestürzt werden, versänke Gaza im Chaos. Israel hätte es dann nicht mit einem Gegner zu tun, sondern mit vielen unkoordinierten Gruppierungen, die nur der Einmarsch in Gaza unter Kontrolle bringen könnte. Die erneute Besetzung des Gazastreifens mit 1,4 Millionen Palästinensern würde für Israel schnell zum Albtraum. Man darf also beim Angriff auf Gaza nicht scheitern, sonst erringt die Hamas den Nimbus der Unbesiegbarkeit und geht gestärkt aus dem Konflikt hervor. Man darf sie aber auch nicht vernichtend schlagen, sonst stünde Israelis und Palästinensern tatsächlich das Schlimmste noch bevor.»

Die niederländische Zeitung «Trouw» meint, Israel suche im Gaza-Streifen auch Revanche für seinen missglückten Krieg gegen die Hisbollah 2006:

«Offiziell haben die Angriffe das Ziel, den Raketenbeschuss durch die Hamas zu beenden und deren Waffenarsenal zu vernichten. Doch im Hintergrund spielt der Krieg von 2006 im Libanon eine Rolle. Viele Israels - wenn auch nicht Ministerpräsident Olmert - glauben, dass dieser Krieg missglückte. Israel habe dadurch seine wichtigste Waffe verloren: Die Abschreckungsmacht. Das damalige Ziel, die Hisbollah, ist heute stärker denn je. Generäle kämpfen vergangene Kriege oft aufs Neue. Im Gaza-Streifen will Israel sich revanchieren für die Fehlleistungen von damals, seine Macht vorführen und über den Stellvertreter Hamas der Hisbollah (und auch dem Iran) die Botschaft schicken, dass Israel sie jederzeit treffen kann.»

Die konservative britische Zeitung «The Times» formuliert:

«Israels Rückzug vom Gazastreifen vor drei Jahren war für das Land ein traumatisches Erlebnis. Das Land zog Soldaten und Siedler zurück, um dann von den neuen Nachbarn beschossen zu werden. Viele israelische Politiker werden sagen, dass Hamas seine Chance verpasst hat. Die beiden Kandidaten für das Amt des nächsten Ministerpräsidenten, Außenministerin Zipi Livni und Oppositionsführer Benjamin Netanjahu, zeigten sich bereit, Hamas in Gaza mit militärischer Gewalt zu stürzen. Mit der bevorstehenden Wahl im Februar - der Zeitpunkt der Gewalt ist kein Zufall - erscheint ein solches Unternehmen zunehmend wahrscheinlich. Aber der humanitäre Preis dafür wäre schrecklich. Israels Führer müssen überlegen, ob mehr Blutvergießen tatsächlich Sicherheit für ihr Land bringt.»

Die linksliberale römische Tageszeitung «La Repubblica» sieht Obamas schwerste Probe:

«Für den Mann mit dem Namen Hussein, der in drei Wochen den amerikanischen Thron erben wird, könnte die Explosion der Gewalt im Gaza-Streifen zur schwersten Probe überhaupt werden. Nicht einmal die globale Wirtschaftskrise trifft mehr das Herz dessen, was er ist, was er sein möchte und vor allem, was die Welt hofft, dass er sei: (…) ein Friedensbringer. «Yes we can» war sein Versprechen. Auch den unmöglichen Frieden bringen - können wir das? (…) Jetzt ist es an Barack Hussein Obama, dies zu beweisen - Obama, der wie kein anderer schon in seiner Geburtsurkunde das globale Gemisch aus Volks- und Glaubenszugehörigkeiten, aus Sprachen, Ängsten und Hoffnungen konzentriert.»

Die Turiner Tageszeitung «La Stampa» schreibt über die Position Deutschlands zur Entwicklung im Gaza-Streifen:

«Die von der Kanzlerin Angela Merkel bezogene Position (…) ist politisch außerordentlich schwerwiegend: Wegen des Zeitpunkts, in dem sie ausgesprochen wird - nur 48 Stunden nach der furchtbaren Selbstverteidigung von Seiten der Regierung in Jerusalem - (…) und wegen der offensichtlichen Unterstützung an Mubarak und Mahmud Abbas, die sie enthält. Noch signifikanter ist jedoch, dass mit dieser vorbehaltlosen deutschen Rückendeckung für Israel die Politik der Samthandschuhe beendet wird, mit der die deutsche Diplomatie gewohnt war, in dieser Region vorzugehen. Es scheint, als habe die Kanzlerin nach einer langen Zeit des Tiefschlafs beschlossen, diesen Augenblick und diese Thematik ungeheurer Wichtigkeit zu wählen, um Deutschland auf die Bühne der großen Außenpolitik zurückkehren zu lassen.»

Der Pädagoge Ernst Fritz-Schubert fordert mehr “Glück” in der Schule

Abgelegt unter: Redaktionelle Beiträge, Blogroll — Wolfgang Haan @ 11:23

Ernst Fritz-Schubert, Begründer des Schulfaches “Glück” an der Heidelberger Willy-Hellpach-Schule, fordert in seinem Interview mit der Nachrichtenagentur ddp ein Umdenken im deutschen Bildungssystem. “Wir sehen uns Lehrer zu sehr als Wissensvermittler.” Der Unterricht sei “zu kopflastig”. “Zu viele Begabungen liegen bei uns brach. Eigentlich kann sich eine Gesellschaft das nicht leisten.» 

Heidelberg (ddp). Der Pädagoge Ernst Fritz-Schubert fordert ein Umdenken im deutschen Bildungssystem. Der Unterricht an Schulen sei «zu kopflastig», sagte der Begründer des Schulfachs Glück im Interview mit der Nachrichtenagentur ddp in Heidelberg. Emotionen und körperliche Aktivitäten würden in den Klassenräumen vernachlässigt. «Wir sehen uns Lehrer zu sehr als Wissensvermittler», kritisierte Fritz-Schubert. Er plädierte dafür, Lerninhalte stärker an Gefühle und lebendige Erfahrungen zu knüpfen. Dann blieben sie den Schülern besser in Erinnerung.

Die Schule müsse sich außerdem mehr um die Entfaltung von Talenten kümmern, appellierte er. «Zu viele Begabungen liegen bei uns brach. Eigentlich kann sich eine Gesellschaft das nicht leisten.» Fritz-Schubert mahnte, es sei nicht sinnvoll, «immer nur über Zweigliedrigkeit oder Dreigliedrigkeit» zu debattieren. «Damit verdecken wir, dass es um die inhaltliche Diskussion geht», betonte der Schulleiter, «die Begeisterung fehlt uns im Bildungssystem.» Fritz-Schubert führte 2007 das Unterrichtsfach Glück an seiner Schule in Heidelberg ein. Darin arbeiten die Schüler unter anderem mit Psychologen, Schauspielern oder Sportwissenschaftlern zusammen. Konzentrations- oder Atemübungen stehen ebenso auf dem Lehrplan wie Ernährung oder Schauspielübungen. Ziel ist laut Fritz-Schubert, das Selbstvertrauen der Schüler zu stärken, sie aufmerksam für sich und andere zu machen und ihnen bei der Bewältigung von Problemen zu helfen. (ddp)

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