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Jaume Cabre - Die Stimmen des Flusses

Jaume Cabre
Die Stimmen des Flusses


Der Hörverlag, 2007
Anzahl der CDs 6
Laufzeit in Minuten 468
gekürzte Lesung

Booklet
- Infogehalt: Sehr gut

Sprecher: Dietmar Mues, Wolfram Koch, Eva Garg
Übersetzer: Kirsten Brandt

Hoerprobe 1 (mp3, 0.8 MB)
Hoerprobe 2 (mp3, 0.7 MB)
Hoerprobe 3 (mp3, 0.5 MB)

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Die bemäntelte Travestie des Lebens

Jaume Cabre - Die Stimmen des Flusses

Zu Beginn des Romans erfolgt ein Einbruch. Ziel des Diebes sind ein paar zerfledderte, fleckige Schulhefte. Gefunden hat diese vor kurzem ein unbedarfter Bauarbeiter bei den Vorbereitungen zu den Abrissarbeiten einer alten Schule in dem spanischen Dorf Torena; versteckt war der merkwürdige Fund hinter einem Hohlraum hinter der Tafel. Nur durch einen Glücksfall endeten die sechzig Jahre alten Papiere nicht im Müll. Denn zur gleichen Zeit hält sich in dem Schulgebäude Tina Bros auf. Diese sucht im Auftrag von xxx Material für die geplante Ausstellung „Über den Wandel der Lehrmittel im Laufe der Jahre“. Da sie gleichzeitig an einem eigenen Projekt, einem Bildband, arbeitet, ergreift sie die Gelegenheit und photographiert einige Grabsteine auf dem örtlichen Friedhof. , einige Photos vom örtlichen Friedhof letzten Jahrzehnte. Eigentlich weiß sie gar nicht so recht, warum – aber Sie bittet den Arbeiter um Aushändigung der Hefte. In der Erwartung, nur auf kindliche Kritzeleien zu stoßen, öffnet sie das erste Heft. Umso größer ist ihre Überraschung, als sie entdeckt, dass sie das Vermächtnis des vor 60 Jahren gestorbenen Dorfschullehrers Oriol Fontelles in der Hand hält; einen langen Brief an seine Tochter, welche dieser nie kennen gelernt hat.

Der katalanische Autor Jaume Cabré beschäftigt sich in seinem Buch mit einem bisher wenig, nicht nur literarisch, aufgearbeitetem Thema in Spanien: der Herrschaft des Diktators Franco. Doch beschränkt sich Cabré nicht alleine auf diesen Zeitraum. Sein Roman umfasst eine Zeitspanne von ungefähr 60 Jahren. In diesem springt er, scheint’s, nach Belieben und zunächst ohne erkennbares Muster hin und her. Doch schnell ist die Matrize hinter den Zeitsprüngen erkennbar: Kaum ein anderes europäisches Land hat in solch kurzer Zeit dermaßen viele politische Wandlungen durchlaufen. Und es sind diese Epochen, die Cabré exemplarisch für bis heute zu existierende politische Systeme stehen lässt. Sein Erzähl- und Zeitbogen reicht vom Spanischen Bürgerkrieg (1936 – 1939), über die Militärdiktatur Francos (1939 – 1975) bis hin zur Thronbesteigung Juan Carlos I (1975) und der heutigen demokratischen Regierungsform der parlamentarischen Monarchie.

Sein komplexer Roman ist ein Spiegel der Seele. Seine Figuren sind niemals eindimensional; immer erlaubt er dem Hoerer, an den zwiespältigen Gefühlen teilzuhaben. In jeder der politischen Epochen sind es aber ähnlich starke Emotionen, welche die Protagonisten steuern: Da ist zunächst der Schrei nach Rache der jeweiligen „Sieger“ an den jeweiligen „Verlierern“, die meist aus Folter, Mord, Totschlag oder sogar erzwungenem Geschlechtsverkehr besteht. Daneben stehen Geld- und/oder Machtgier, Opportunismus, Feigheit, Denunziation. Aber auch das Streben nach Autonomie, Verteidigung von Werten, Vaterlands- und Familienliebe spielen eine große Rolle. Allerdings kommt es vor, dass rein vom Empfinden her positiv besetzte Begriffe negative Auswirkungen zeitigen.

Zunächst mehr oder weniger eine Nebenfigur, entpuppt sich die Großgrundbesitzerin Elisenda Vilabrú als wichtigste Antagonistin – denn sie ist die einzige noch lebende Person, die alle Geschehnisse miterlebt hat. Und dies aktiv und nicht als beobachtende Randfigur. Doch ihre Aussagen stehen konträr zu der Niederschrift von Orioll.

Noch problematischer für den Hoerer ist jedoch, dass er nicht weiß, wer der Erzähler dieser Geschichte ist. Dieses Stilmittel verwandte beispielsweise auch schon Franz Kafka oder Pierre-Ambroise-François Choderlos de Laclos in „Gefährliche Liebschaften“.
Es stellt sich also die Frage danach, was ist Wahrheit, was Fiktion?
Alle drei offensichtlichen Erzähler haben ein originäres Interesse daran, für die Nachwelt in einem guten Licht dazustehen. Orioll gilt als falangistischer Held; dies wurde auf seinem Grabstein verewigt, Straßen nach ihm benannt. Er will sich bei seiner Frau und Tochter rehabilitieren.
Elisendas Vater und Bruder wurden von den Anarchisten umgebracht – Elisenda will diese rächen. Darüber hinaus war Orioll ihr Liebhaber, den sie rehabilitieren will.
Tina Bros Ehe ist gerade gescheitert, ihr Sohn hat sich in die kontemplative Ruhe eines Klosters zurückgezogen, evtl. plant er, eine theologische Laufbahn einzuschlagen. Und sie ist an Brustkrebs erkrankt und bereits von der todbringenden Krankheit gezeichnet.
Phantasiert sich Tina die Handlungen der im Brief von Orioll auftretenden Figuren so zusammen, dass sie in das Bild passen, welches von Orioll vorgegeben wird? Niemand bekommt die Originalhefte zu Blick. Nur Oriolls Kind händigt sie später einen Computerausdruck der Hefte aus.
Und inwieweit stimmen die 60 Jahre zurück liegenden Erinnerungen der fast 90-jährigen mit der nüchternen Wirklichkeit überein?

Jaume Cabrés Roman „Die Stimmen des Flusses“ ist ein genialer Roman, verlangt dem Leser jedoch zunächst einiges an Konzentration ab. Denn der Autor springt nahtlos von einer Zeitebene in eine andere. Dies kann anfänglich beim Leser zu zu Irritationen führen. Da es sich bei dem Hoerbuch um eine hervorragende, werkgetreue Umsetzung der Romanvorlage inkl. aller Höhepunkte und Schwierigkeiten handelt, empfiehlt es sich ggf., die erste CD zweimal anzuhoeren, damit man nicht den Überblick bei den schnell wechselnden Zeitebenen, Namen und Funktionen der Handelnden verliert. Dann allerdings dürfte man in der Regel keine Probleme mehr haben, der weit verzweigenden Handlung folgen zu können und kann sich ganz dem Genuss des außergewöhnlichen Romans widmen. Schon fast traditionell setzt Der Hörverlag außergewöhnliche Romane in ungewöhnlicher Weise um. Zwar werden auch hier verschiedene Sprecher eingesetzt. Doch keinem werden feste Personen, Handlungszeiträume oder Sprachebenen zugeordnet. Scheinbar willkürlich wechseln sich die Sprecher ab. Die Absicht dahinter ist klar: Nichts in diesem Roman ist sicher. Nicht einmal die Zuordnung einer Stimme zu einer Person gibt dem Hoerer die Illusion, sich auf dem richtigen Pfad zu bewegen. Die Lesung erinnert an ein Kammerspiel. Die Schauspieler gehen im Kreis um einen Tisch herum, auf dem ein Manuskript liegt. Auf Anweisung der Regie nimmt nun einer das Buch und beginnt zu lesen bis die Anweisung erfolgt, dass Buch wieder abzulegen. Dies wiederholt sich nun in einer scheinbar musterlosen Matrix bis zum Ende des Romans. Dieses ungewöhnliche Konzept wird den oft sprunghaften Zeitreisen gerecht.

Können auch Sie sich über Witze kaputtlachen? Manche findet man so gut, dass man sie unbedingt weitererzählen muss. Ist es Ihnen auch schon mal passiert, dass niemand lacht, wenn Sie den gleichen Witz erzählen? Woran liegt das? Keine Ahnung und dies ist für die Rezension auch nicht wichtig. Wichtig ist jedoch, dass es irgendwie damit zusammen hängen muss, WIE jemand spricht. Um den Hoerer bei einer Lesung bei der Stange zu halten, verwendet der Sprecher viel Mühe darauf, den Personen, die er liest, individuelle Stimmen zuzuordnen, ihre Emotionen hoerbar zu machen etc. Bei "Stimmen des Flusses" hat man nun die, unseres Wissens nach, einmalige Gelegenheit zu erleben, wie es klingt, wenn mehrere Sprecher den gleichen Charakter interpretieren "müssen". Unwillkürlich zieht der Hoerer Vergleiche zwischen den einzelnen Interpretationen. Und selbst, wenn man es nicht will: einer wird immer Favorit; einer spricht Oriol super.  Dummerweise spielen aber neben Oriol noch viele andere Personen eine wichtige Rolle. Und dann stellt man fest: aber Elisenda kann der gleiche Sprecher nicht so gut rüberbringen - nur um 10 Seiten weiter zu sagen: oder doch??? Genialer kann man einen so herausragenden Roman nicht als Hoerbuch umsetzen. Das dieses Hoerbuch solch eine bahnbrechende Produktion geworden ist. liegt mit Sicherheit auch an der hervorragenden Arbeit von Regisseur Burkhard Schmid.

Dies zusammengenommen führt dazu, dass dieser Titel zu einem der wenigen Referenztitel bei Hoeren-undLesen geworden ist. 

Rezensent: Wolfgang Haan





Verlagsinformation

Wer war Oriol Fontelle wirklich? Der unscheinbare Dorfschullehrer in dem kleinen katalanischen Ort Torena gewinnt schnell das Vertrauen des Bürgermeisters, eines skrupellosen Falangisten. Doch Oriol wagt ein gefährliches doppeltes Spiel: Nach außen mimt er den treuen Franco-Anhänger, insgeheim lebt – und stirbt – er für den Widerstand. Und die alles entscheidende Frage am Ende lautet: Wer wird Oriol in der Erinnerung der Bewohner von Torena bleiben? Ein Mitläufer, ein Dissident oder ein Heiliger?



„Dietmar Mues, Eva Garg, Wolfram Koch und Marlen Dieckhoff erzählen die Geschichte Oriols und fassen die Tragik einer Zeit in Töne, in der Gut und Böse manchmal nur Klangfarben derselben Melodie waren.“

Frankenpost

„Eine Liebesgeschichte und gleichzeitig eindrückliches Dokument der Zeit des Franco-Regimes.“

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