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Dieter Harmening - Wörterbuch des Aberglaubens

Geister, Gnome und Gespenster

Dieter Harmening - Wörterbuch des Aberglaubens

Landläufig wird „Aberglaube“ für ein Relikt aus längst vergangenen Zeiten gehalten. Der Ursprung soll sogar bei germanischen, keltischen oder sogar indogermanischen Mythologie, Religionen oder heidnischen Ritualen liegen.
Die heutige Forschung geht von völlig anderen Voraussetzungen aus. Im Einzelfall mag es solch tief greifende Wurzeln geben. Vorrangiges Ziel der heutigen Wissenschaft ist es aber, die Fragen nach Alter, Herkommen, Überlieferung und Verbreitung des Aberglaubens zu beantworten. Im Vordergrund steht dabei die Klärung von Sachverhalten wie beispielsweise: Wer praktizierte den Aberglauben und wozu? Ähnlich eines Privatdetektivs setzt er Puzzlestück für Puzzlestück zusammen, um der Lösung näher zu kommen. Interdisziplinär verknüpft er dabei Erkenntnisse der Geschichts-, Sprach-, Volks- und Religionsforschung um seinem Ziel näher zu kommen.



Haruki Murakami - Hard-Boiled Wonderland

Haruki Murakamis wundersame Geschichte(n) …

Haruki Murakami - Hard-Boiled Wonderland

Erfolg ist nicht kalkulierbar und gerade auf dem schier unüberschaubaren Literaturmarkt kann es Jahre oder Jahrzehnte dauern, bis sich dieser einstellt. Ist ein Breitenpublikum erreicht, möchte dieses vielfach auch die frühesten Arbeiten des Autors kennen lernen. Im Zeitalter des Internets und der Online-Auktionshäuser ist dies häufig kein Problem mehr – wenn man denn bereit ist, Höchstpreise zu zahlen. Eine dieser hoch gehandelten Raritäten ist die längst vergriffene Taschenbuchausgabe von Haruki Murakamis Doppelroman „Hard-Boiled Wonderland und Das Ende der Welt“, für die teils 3-stellige Beträge gezahlt und die auch jetzt noch bei Amazon mit Beträgen zwischen Euro 40 und 85 gehandelt wird und dies, obwohl im März 2006 eine hochwertige, optisch ansprechende und mit Lesebändchen versehene Neu-Auflage im Dumont Verlag erschienen ist.

Wie bereits in „Wilde Schafsjagd“ ist der Roman gespickt mit Versatzstücken aus den Fantasy- und Science-Fictiongenres sowie den typischen murakamischen Helden, die auf Grund ihrer „Lonesome Rider-Mentalität“ ohne weiteres dem Carverschen oder Chandlerschen und ihrer ironisch-skurril-naiven Weltsicht dem Irvingschen Universum entsprungen sein könnten; alles Autoren, deren Werke von Murakami ins japanische übertragen wurden und welche, nach eigenen Angaben, zu seinen Lieblingsautoren zählen.



Linwood Barclay - Ohne ein Wort

Tschüss und weg!

Linwood Barclay - Ohne ein Wort

Unerbittlich schlägt das Schicksal zu, als die 14-jährige Cynthia bei einem Streit zu brüllt: „Ich wollte, ihr wärt tot!“. Als sie am nächsten Morgen erwacht, sind ihre Eltern und ihr Bruder spurlos verschwunden. Selbst heute, 20 Jahre später, hat sie die Hoffnung nicht aufgegeben, dass es eine plausible Erklärung für das Verschwinden gibt und ihre Familie unversehrt wieder auftaucht. Und bis jetzt kann sie das Gefühl nicht abschütteln, dass Sie die Schuld an der Familientragödie trägt.



Cormac McCarthy - Die Strasse

Natur – Mensch – Maschine - Ascheschlund

Cormac McCarthy - Die Strasse

Hoeren-undLesen.de Referenztitel Belletristik

Ein Mann und ein ungefähr 10-jähriger Junge ziehen über eine Landstraße. Vor sich her schieben sie einen Einkaufswagen, der ihre spärliche Habe beherbergt. Außer dem Quietschen der Räder durchbricht nichts die Stille; außer ihren gelegentlichen, im Laufe des Romans immer kürzeren und gequälter wirkenden Gesprächen. Um sie herum ist die alles beherrschende Farbe Grau: eine zentimeterdicke Ascheschicht der verbrannten Vegetation bedeckt jeden Millimeter der Welt. Die Sonne kann man durch die dicke, aus Asche bestehende Smogschicht nur erahnen. Es ist kalt; es bläst ein steter Wind, der sich häufig zum Sturm steigert; fast immer regnet es. Nachts sitzen oder liegen die beiden zusammengekauert unter einer Plastikplane. Doch der Mann kann oft nicht schlafen und lauscht in die Nacht. Sind in der Nähe noch andere Überlebende? Und wenn ja: Gehören diese zu „Den Guten“ oder „Den Bösen“?




Kathrin Passig, Aleks Scholz - Lexikon des Unwissens

Ein Tritt ins Skrotum

Kathrin Passig, Aleks Scholz - Lexikon des Unwissens

Was gibt’s schon so aufregendes an einem Aal? Wie alle Fische schwimmt er so vor sich hin: im Meer, im Aquarium oder in grüner Soße. Geräuchert ist er Geschmackssache, weil sehr fettig. Und in Günther Grass Roman „Die Blechtrommel“ kotzt sich Oskars schwangere Mutter die Seele aus dem Leib, als sie sieht, wie Aale sich, pferdekadaververtilgend, mit sichtlicher Freude schleimig, glitschig durch die leeren Augenhöhlen winden.
Und doch umgibt diese, lange für einen Wurm gehaltene, Spezies ein vor der Öffentlichkeit [wohlweißlich (?)], zurück gehaltenes Geheimnis: wie pflanzen sich diese Viecher fort? Bis heute zu ist es noch keinem Wissenschaftler gelungen, dieses jahrhundertealte Rätsel zu lösen. Das Autorenduo Kathrin Passig und Aleks Scholz bringt die bisherigen Forschungsergebnisse in ihrem Buch „Lexikon des Unwissens“ wie folgt auf den Punkt: „Die kleinen Aallarven entstehen scheinbar aus dem Nichts. Gleichzeitig verschwinden die erwachsenen Aale spurlos in der Sargassosee. Verwandeln sich die Eltern einfach wieder zurück in Larven? Ist der Aal somit unsterblich?“



 - Das letzte Tabu

Forschungsdefizit im deutschsprachigen Raum

Wolfram Wette, Detlef Vogel (Hrsg.) - Das letzte Tabu

Im Zeitraum von August 1939 – Februar 1945 verhängte alleine der Reichsgerichtshof 1089 Todesurteile, von denen 1049 vollstreckt wurden – unzählige kamen in den letzten Monaten des Nazireiches hinzu.
Nur in der Zeit von 1942 an verurteilte der Vorsitzende des Volksgerichtshofes, Roland Freisler, 4951 Menschen zum Tode; unter ihnen die Angehörigen der Weißen Rose sowie viele der Offiziere des Putsches vom 20. Juli 1944. Viele dieser Todesurteile lag der Anklagepunkt des Kriegsverrates zu Grunde. Eines „Begriffes, den heute niemand mehr kennt. Das kann nicht verwundern, ist er doch seit 1945 aus dem deutschen Wortschatz verschwunden, und zwar sowohl in juristischer als auch historisch-politischer Terminus.“ Mit diesem Satz beginnt „Das letzte Tabu – NS-Militärjustiz und Kriegsverrat“; eines aufrüttelnden Buches, dass letztendlich Bürger und Politiker auf ein bis heute noch nicht verarbeitetes Kapitel des National-Sozialistischen Unrechtsstaates hinweisen will. Doch außer der sachlichen Auseinandersetzung mit diesem heiklen Thema liegt den Herausgeber noch ein weiteres Ziel am Herzen: sie kämpfen mit diesem Buch für die Rehabilitation der zu Unrecht verurteilten Menschen.



Rolf Seelmann-Eggebert - Prinzessin Diana

Leichenfledderei oder Ehrenbezeugung?

Rolf Seelmann-Eggebert - Prinzessin Diana

In Abwandlung des geflügelten Wortes „Man muss die Feste feiern, wie sie fallen ist!“ wird hieraus zunehmend ein „Man muss den Todes/Geburts- oder sonstigen des Feierns werten Tag im Leben eines, in denglisch“, Hochcelebrities kommerziell in jeder möglichen Form ausnutzen.“ Aktuelle Beispiele sind Elvis und Prinzessin Di. Beide starben eines, so wird es zumindest von weiten Teilen der Medien dargestellt, mystifizierten Todes. Und so schlagen wir in die Selbe Kerbe und versuchen, auch einen Krumen vom Kuchenbuffet abzubekommen, ein Fünkchen vom Strahlenkranz einer Berühmtheit zu ergattern. Allerdings geben wir uns den Anschein der Seriosität und rezensieren hier nur das Hoerbuch „Prinzessin Diana“ von Rolf Seelmann-Eggebert. Dieses ragt aus der Menge ähnlicher Publikationen heraus wie der sprichwörtliche Fels in der Brandung. 



Simon Beckett - Kalte Asche

Heiße Kiste

Simon Beckett - Kalte Asche

David Hunter, ein ehemaliger Top-Forensiker, der sich auf Grund einer persönlichen, unverarbeiteten Tragödie in die tiefste Provinz zurückgezogen hat, kommt nicht zur Ruhe. Wurde er bereits in Simon Becketts Roman „Die Chemie des Todes“ unfreiwillig in die Ermittlungen zu einem mysteriösen Todesfall hineingezogen, so ist es auch in „Kalte Asche“ an ihm, einen Fall zu lösen, dessen Aufklärung die örtliche Polizei völlig überfordert.



P. J. Tracy - Mememto

Fröhliche Weihnachten

P. J. Tracy - Mememto

Was kann man sich schöneres vorstellen, als den ganzen Tag auf schreiende, quengelnde Kinder aufzupassen, die Schneemänner bauen im Kampf um die Krone des alljährlichen Schneemannbauwettbewerb? Den beiden Detectives Leo Magozzi und Gino Rolseth fiele da eine Menge ein. Doch drücken können sie sich nicht. Es dauert aber nicht lange, bis es sich als ein Glücksfall herausstellt, dass sich die Beiden auf dem Gelände befinden. Von einem der schönsten Schneemänner fällt ein Stück ab – und zum Vorschein kommt ein menschlicher Kopf. Wie sich später herausstellt, ist dies nicht die einzige als Schneemann verkleidete Leiche.



Louis de Bernierčs - Traum aus Stein und Federn

Genozid im Namen der Religion

Louis de Bernierčs - Traum aus Stein und Federn

De Bernieres macht seinen Lesern den Einstieg in seinen neuesten Roman nicht einfach. In einem Interview im „Guardian“ aus dem Jahre 2004 sagte er: „Ich möchte nur ernsthafte Leser!“ Diesem Motto bleibt er treu und so benötigt man einige Kapitel, um sich im Rhythmus des Romans zu Recht zu finden. „Birds without Wings“, so der Originaltitel, hat keine Hauptperson, die der Geschichte einen festen Rahmen gibt, sondern viele kleinere und größere Erzählstränge vereinen sich zu einem komplexen Gesamtbild. Häufig werden die gleichen Geschehnisse von mehreren Erzählern aus unterschiedlichen Perspektiven beschrieben. Durch die wechselnden Gesichtspunkte entstehen ein stimmiges, homogenes Gesamtbild der Ein- und Ansichten der Dorfbewohner und der verschiedenen Mentalitäten und Empfindlichkeiten innerhalb des multikulturellen Dorfverbandes.



Orhan Pamuk - Das schwarze Buch

Staub in den Händen des Sprechers

Orhan Pamuk - Das schwarze Buch

Gewinn und Verlust liegen oft nahe bei einander. Diese schmerzliche Erfahrung macht auch der Istanbuler Anwalt Galip. Ohne jede Vorwarnung verschwindet eines Tages seine Frau. Und mit ihr Celal, Halbbruder seiner Frau und berühmt-berüchtigter Kolumnist. Trotz Celal verschwinden erscheinen seine Artikel weiterhin. Welche perfide Kraft steckt hinter dahinter? Handelt es sich um eine Entführung – oder ist es nur ein übler Scherz? Völlig verwirrt begibt sich Galip auf die Suche nach seiner Frau. Dabei misst er den Artikeln seines Cousins eine besondere Bedeutung zu. Für ihn enthalten diese eine Art Geheimcode, den er nur entschlüsseln muss, um die Beiden wieder zu finden.



Thomas Mullen - Die Stadt am Ende der Welt

Globalisierung 1918

Thomas Mullen - Die Stadt am Ende der Welt

Ein Jahr nach Eintritt der Vereinigten Staaten in den ersten Weltkrieg; Hysterie allerorten. Von Staats wegen eingerichtete Bürgerkomitees durchkämmen Städte, Dörfer und einzelne Gehöfte nach Wehrtauglichen. Jede Familie muss mindestens einen Erwachsenen stellen. Dann gibt’s da noch die Freiwilligen, die von Haus zu Haus ziehen, um Kriegsanleihen zu verkaufen – und wehe, man erwirbt keine!
Die miesen Arbeitsbedingungen treiben immer mehr Arbeiter mit der Forderung nach gerechteren Löhnen, Arbeitssicherheit und Kündigungsschutz auf die Strasse. Straßenschlachten mit der Polizei oder so genanntem „Werkschutz“ sind an der Tagesordnung. Tote und Verwundete bleiben bei den Wobblies genannten Gewerkschaftern zurück. Nicht besser geht es Pazifisten, die man in die Ausbildungslager der Armee schickt, um dort die niedrigsten Arbeiten wie Kloakendienst auszuführen. Dabei sind sie brutaler Gewalt ausgesetzt, die von den Vorgesetzten geduldet, ja teils gefördert wird. Es gibt nur zwei Wege, dieser zu entrinnen: Flucht oder Aufgabe des Pazifismus.



Ignacio Martínez de Pisón - Der Tod des Übersetzers

Amerikas Linke Rebellen machten mobil

Ignacio Martínez de Pisón - Der Tod des Übersetzers

„John Dos Passos und die Geschichte eines ungeklärten Mordes“ lautet der Untertitel von Ignacio Martinez de Pisóns Buch „Der Tod des Übersetzers. Es ist der erfolgreiche Versuch, dem Leser den spanischen Bürgerkrieg 1936/37 aus einem ungewöhnlichen Blickwinkel nahe zu bringen: dem Tagebuch des amerikanischen linken Intellektuellen John Dos Passos. Wie viele andere amerikanische Intellektuelle und Kulturschaffende seiner Zeit sympathisierte er mit den spanischen, linksgerichteten Republikanern. Als 1936 ein Militärputsch unter der Führung Francos zum Bürgerkrieg wurde, reiste er unverzüglich nach Spanien, um diese zu unterstützen. Auch sein Freund José Robles reiste in seine Heimat Spanien zurück, nicht ahnend, dass er damit auch seine letzte Reise antrat.



Amelie Nothomb - Reality Show

60 Cent kostet ein Leben

Amelie Nothomb - Reality Show

Die Medien toben vor Abscheu; die Politiker rufen zum Boykott auf; die breite Masse kann die Ausstrahlung des neuen TV-Formates kaum erwarten, denn „es“ darf Gott spielen: mit einer 60 Cent kostenden SMS darf mit entschieden werden, wem eine unheilbar Kranke eine Niere spendet: drei schwerkranke Menschen, die seit Jahren auf eine Spenderniere warten, sind die Kandidaten. Ohne diese Transplantation werden auch sie über kurz oder lang sterben.
Die europaweiten Boykottaufrufe erreichen genau das Gegenteil dessen, was man sich erhoffte: jeder will die Sendung sehen. Und dann betreten die vier dem Todgeweihten das karg eingerichtete TV-Studio. Einer wird leben – drei werden sterben.
Es werden kurze Filmchen aus dem Leben der Kandidaten gezeigt; wer hier zum Publikumsliebling avanciert, hat gute Überlebenschancen. Dann trudeln die ersten SMS ein; der Moderator gibt mit nüchterner Stimme das Zwischenergebnis bekannt. Und als ob es um den „European Song Contest“ ginge, beginnt der unvermeidliche, stumme, klinische Wettkampf der Zuschauer um „ihren“ Favoriten…



Thomas Glavinic - Die Arbeit der Nacht

Glavinics Lamento und Gottes Lotterie

Thomas Glavinic - Die Arbeit der Nacht

Ein Morgen wie immer. Seinen Gewohnheiten folgend steigt Jonas aus dem Bett, schaltet noch schlaftrunken sein Radio an. Außer atmosphärischem Rauschen ist nichts zu hören. Beim Einschalten des Fernsehgerätes hat er denselben Erfolg: er kann kein Programm empfangen. Kein dumpfer Verkehrslärm dringt durch die Fenster. Ein Blick bestätigt: die Strassen sind völlig verlassen. Warum und wie die gesamte Bevölkerung verschwunden ist, wird nicht erklärt. Warum ausgerechnet Jonas verschont wurde, kann man aus dem Alten Testament ableiten. Der alttestamentarische Prophet Jonas versucht, sich einem Befehl Gottes zu entziehen und flieht an Bord eines Schiffes. Dieses droht, bei einem gewaltigen Sturm zu sinken; man beschließt, durch Lose ziehen zu bestimmen, wer der Schuldige ist, der Gottes Zorn auf sie herab beschworen hat. Das Los fällt auf Jonas. Man wirft ihn kurzerhand über Bord. Ein riesiger Fisch verschluckt ihn und Jonas ist von der Außenwelt abgeschottet.

Hat Glavinics Jonas das große Los gezogen oder ist es eine Niete? Soll er einen Auftrag erfüllen und wenn ja: Welchen?




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